Der Schaft des Golfschlägers - Typ und Flex

Einleitung

In diesem Artikel möchte ich Ihnen etwas über Golfschläger und deren Schäfte erzählen und Ihnen einen Anhaltspunkt geben mit welchem Golfschaft Sie wahrscheinlich besser zurecht kommen als mit anderen. Dabei fasse ich die vielen verfügbaren Informationen zu diesem Thema in möglichst einfacher Form zusammen, was natürlich zur Konsequenz hat, dass nicht alle Punkte Detailgenau dargestellt werden können. Und wie (nicht nur beim Golf) üblich, gibt es natürlich auch zu dem Thema Golfschläger-Schaft eine Menge - zum Teil widersprüchliche - Meinungen, Test und Untersuchungen. 

Der Großteil des Preises eines Golfschlägers wird durch den verwendeten Schaft bestimmt und dessen Preis steigt mit dem eingesetzten Material und dem Aufwand bei seiner Verarbeitung. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass die Nutzung unterschiedlicher Schäfte und aller ihrer möglichen Parameter einen erheblich größeren Einfluss auf Ihr Golfspiel haben, als beispielsweise ein Schlägerkopf gegenüber einem anderen gleichen Typs.

Und auch beim Thema Golfschaft bedeutet nicht teurer gleich besser, sondern jeder Golfer muss für sein (geplantes) Spiel seinen Schaft finden und dies heisst neben aller Theorie vor allem gezieltes Ausprobieren der Optionen.

Ich versuche Ihnen mit diesem Artikel also den riesigen "Heuhaufen" aller möglichen Schäfte und Parameter deutlich kleiner zu machen, damit sie auch Ihre persönliche Stecknadel in Form Ihres Golfschaftes leichter finden können.

Die Schaft - Typen

Üblicherweise werden aktuelle Golfschäfte aus Stahl bzw. Graphit hergestellt und haben auch daher ihre Namen. Allerdings gibt es speziell im Einstiegsbereich (wie auch bei meist illegalen Replikas), Schäfte aus Kunststoffgemischen, bzw. im gehobenem Segment solche aus Karbon und andere exklusive Materialien - die fälschlicherweise dann auch Graphit genannt werden.

Diese Materialien und die daraus konstruierten Golfschäfte unterscheiden sich in Ihrer Steifigkeit bzw. Flexibilität (dem Flex), der Verwindungssteifigkeit (dem Torque), ihrem generellen Gewicht und dessen Verteilung auf die Länge des Schaftes (das Schwunggewicht) und weiterer Parameter.

Speziell sportlich ambitionierte (Herren) Golfer vertreten oft die Meinung, dass Stahlschäfte das non-plus Ultra wären und verweisen auf die Tourspieler, von denen die meisten bei Ihren Eisen damit unterwegs sind. Aber erstens gibt es (mittlerweile) auch Tour Spieler die mit Graphitschäften spielen und zweitens sollte diese Entscheidung für einen bestimmten Typ von anderen Faktoren abhängig sein.

Viele wissen nicht, dass durch das geringere Gewicht von Graphitschlägern gegenüber Stahlschaft Golfschlägern der Golfer ca. 3 - 6 km/h mehr Kopf-Geschwindigkeit erreichen kann und dies rund 5 - 10 Meter mehr Länge auf dem Golfplatz macht. Golfer mit ohnehin hohen Kopfgeschwindigkeiten und damit größeren Weiten, können auf diesen Vorteil verzichten und bevorzugen vielleicht das bessere Gefühl, das direktere Feedback des Stahlschlägers. Aber genau in diesem Vorteil liegt auch der entscheidende Nachteil des Stahlschafts. Leicht oder stärker in den Boden gehauen, unsauber getroffen - der Schläger gibt Feedback, die Vibration beim Stahlschaft ist enorm und kann bei Menschen mit physischen Problemen im Hand und Armbereich zu entsprechenden Schmerzen führen.

Das Argument Stahlschäfte sind günstiger in der Anschaffung ist zwar grundsätzlich korrekt sollte aber definitiv kein Entscheidungskriterium sein. Übrigens genauso wenig, wie das persönliche Handicap, welches weder etwas über die Kopfgeschwindigkeit aussagt (ausser vielleicht bei Single-Handicappern), noch über die physische Voraussetzungen des Spielers.

Aus diesem Grund lautet unsere Empfehlung:

  • Golfer mit empfindlicher Physis sollten zu Schäften aus Graphit greifen,
  • Golfer mit normaler Kopfgeschwindigkeit profitieren vom Komfort und der Länge der Graphitschäfte
  • und Golfer, die Wert auf direkteres Feedback beim Schlag legen und höhere Schlägerkopfgeschwindigkeiten erreichen, sollten sich mit dem Thema Stahlschaft auseinandersetzen. 

Übrigens werden Driver, Hölzer und Hybriden im Amateurbereich (fast) immer mit Graphitschäften produziert. Es gibt auch hier - erstaunlicherweise - Ausnahmen, Hölzer mit Stahlschäften sollten meines Erachtens jedoch gemieden werden und sind (wenn überhaupt) nur für (Profi-) Spieler die sich in dieser Materie auskennen interessant. Die Hersteller versuchen hier Anfänger mit günstigen Preisen für Schläger(sets) zu locken, die aber keinen Hobby Golfspieler auf Dauer glücklich machen werden.

Der Golfschaft und sein Flex

Beim Golfschwung biegt sich der Schaft zwischen seinem Griff und dem Schlägerkopf aufgrund dessen Gewichts stärker (weicher Schaft) oder weniger (steifer Schaft). Der Flex eines Schaftes ist also seine Flexibilität / Steifigkeit - wie leicht lässt er sich verbiegen.

Die Bezeichnungen für die verschiedenen Flextypen unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller und werden manchmal auch als Dezimalzahl im Bereich 2.0 - 7.5 (und darüberhinaus) angegeben. Nachfolgend eine kleine Auflistung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Flexibilität gängige Bezeichnungen
extrem hoch / extrem weich F0 / LL (Soft Ladies)
sehr hoch / sehr weich F1 / L (Ladies) / W (woman)
hoch / weich F2 / A (Senior) / Lite
mittel / normal F3 / R (regular)
niedrig / steif F4 / S (Stiff)
sehr niedrig / sehr steif F5 / XS (X-Stiff)
extrem niedrig / extrem steif F6 / TX / XXS (XX-Stiff)

Das entscheidende ist jedoch - lassen Sie sich nicht von den Namen der verschiedenen Flex-Typen verleiten - es zählt nicht das persönliche Alter, Geschlecht oder sonstwas, sondern ausschließlich die Schlägerkopfgeschwindigkeit - hierzu weiter unten mehr.

Der Golfschaft und sein Torque

Beim Schwung verbiegt sich ein Schaft natürlich nicht nur gegen die Schwungrichtung, sondern neigt auch dazu sich in sich selbst zu drehen, sich zu verwinden. Diesen Wert bemisst man in Grad und er sollte immer gegen 0 tendieren um bei einem identischen Golfschwung immer gleich an den Golfball zu kommen und nicht von einem zufälligen Unsicherheitsfaktor abhängig zu sein.

In der Realität ist der Torque Wert natürlich umso höher je biegsamer ein Schaft ist, also ca. 5° beim Lady Flex und bei etwa 2° für einen XS-Flex - dies sind aber nur Anhaltswerte und können aufgrund anderer Design-Faktoren auch davon abweichen. 

Besonders günstige Schläger und leider auch (illegale) Replikas erkennt man oft an einem sehr hohen Torque-Wert - drehen Sie einfach mal den Schlägerkopf gegen den Griff, ist da zuviel Drehung möglich, handelt es sich oft um einen sehr billigen (Kunststoff) Schaft.

Der Kickpoint oder das Biegeprofil (Bend Profile)

Der Kickpoint eines Golfschaftes ist nicht wirklich ein bestimmter Punkt, sondern bezeichnet den Bereich eines Schaftes an dem er sich beim Schwung am stärksten verbiegt, daher hat sich mittlerweile auch der englische Begriff Bend-Profile oder zu deutsch Biegeprofil durchgesetzt.

Ein niedriger Kickpoint (also tiefer am Schaft) führt tendenziell zu einer höheren Flugbahn, während ein hoher Kickpoint zu einer flacheren Flugbahn führt. Für die meisten Spieler ist ein mittlerer bzw. niedriger Kickpoint am Golfschaft die optimale Lösung, damit der Golfball immer schön fliegt - allerdings sollten bessere Spieler mit einem wiederholbaren Schwung hier entsprechend verschiedenen Typen ausprobieren, um den für sich optimalen Kickpoint zu finden.

Gewicht und Schwunggewicht

Als wenn es nicht schon kompliziert genug wäre, gibt es nun auch noch zwei verschiedene Gewichte, wobei das eine gar kein wirkliches Gewicht ist ...

Ein Golfschaft hat ein Gewicht - Standardlänge auf die Waage legen und messen - das ist das Gewicht. Ein Stahlschaft wiegt leicht bis 150g, ein hochwertiger Graphitschaft bzw. andere Materialien können auch mal nur 50g (und weniger) wiegen.

Wer mit wenig Kraft schwingt, wird einen leichteren Schaft bevorzugen, wie jemand der mit mehr Krafteinsatz schwingt. Zudem sind schwerere Schäfte für Spieler mit hohen Schwunggeschwindigkeiten besser geeignet.

Dagegen ist das Schwunggewicht das gefühlte Gewicht eines kompletten Golfschlägers beim Schwung, also die Verteilung des Gewichtes in einem gesamten Schläger - interessiert oft nur die sehr guten Spieler - und wird mit einer Skala aus Buchstaben von A - G und einer Ziffer von 0 - 9 (bzw. 10) ausgedrückt, also z.B. C7 oder D0.

Als Standard nutzden die Hersteller bei der Herstellung Ihrer Schläger meist D0 bzw. D1 für Herrenschläger und C5, C6 bzw. C7 für Damenschläger.

Dieses Schwunggewicht bezeichnet das Verhältnis des Gewichtes in den unteren zwei Dritteln eines Golfschlägers zu seinem oberen Drittel und ist auch nachträglich durch Veränderung des Griffes oder Anbringen von Tapes auf dem Schaft leicht veränderbar.

Gelegenheitsspieler und Anfänger können das Thema Schwunggewicht jedoch getrost beiseite legen, für Golfer die viel Wert auf Gefühl beim Schlag legen ist dieser Parameter jedoch äußerst interessant.

Welcher Golfschaft ist nun der Richtige  ?

Wie bereits oben angedeutet, ist vor allem gezieltes Ausprobieren (am Besten mit Clubfitter oder Pro) nötig - allerdings ist dies in seiner komplette Bandbreite der Möglichkeiten erst für die besseren und regelmäßigen Golfspieler sinnvoll.

Grundsätzlich sollte Schafttyp mit dem für den Spieler richtigen Flex gewählt werden - und der bestimmt sich ausschließlich aufgrund der Schlägerkopfgeschwindigkeit; übrigens wird diese normalerweise mit dem Driver ermittelt. Mit einem entsprechenden Messgerät kann diese ermittelt werden - z.B. von Clubfitter einem Pro o.ä.

Alternativ stelle ich Ihnen hier noch eine weitere, einfache und zwangsläufig etwas ungenauere Möglichkeit vor:

Schlagen Sie auf der Driving-Range oder auf einer entsprechend geeigneten Golfbahn ca. 5 Golfbälle (ohne Ausrutscher) mit Ihrem 7er oder 9er Eisen und messen die Carry Durchschnittsentfernung, also die Entfernung vom Tee bis zum Aufschlag des Balles (ohne Rollen!).

Anschließend können Sie aus der folgenden Tabelle Ihren (rechnerisch) optimalen Flex ablesen.

Carry (in Meter)
7er Eisen, ca.

Carry (in Meter)
9er Eisen, ca.
Kopfgeschwindigkeit
Driver (km / h)
Kopfgeschwindigkeit
Driver (mph)
Schaft Flex
90 m 70 m 95 -  111 km/h 59 - 69 mph Lady
105 m 85 m 112 - 130 km/h 70 - 81 mph A / Lite
125 m 105 m 131 - 150 km/h 82 - 93 mph Regular
140 m 120 m 151 - 169 km/h 94 - 105 mph Stiff

Fazit

Bei der Entscheidung über Stahlschaft oder Graphitschaft und dessen Flex, ist es nicht entscheidend was der Profi spielt, oder was der Freund / die Freundin empfiehlt, sondern ausschließlich womit der Golfer persönlich am Besten zurecht kommt. Hier können Ihnen die Pros auch enstprechend mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber es gibt einfache Möglichkeiten an denen sich jeder orientieren kann.

Ich hoffe, Ihnen in diesem Artikel das komplexe Thema Golfschaft ein wenig näher gebracht zu haben und würde mich freuen von Ihnen dazu Kommentare, Meinungen und Anregungen zu erhalten.

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