Taktik für Golfer

Einleitung

Sie werden sich jetzt fragen - warum sollen Sie sich mit Taktik beim Golf-Spiel auseinandersetzen - Sie sind vermutlich kein Profi, wollen keiner werden und doch nur ein wenig Spaß auf der Runde haben.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass sich der Golfer beim Golfen gerne selbst im Weg steht und statt zu den "sicheren" Schlägen zu greifen - gerade im Flight - lieber auf Weite und Risiko geht. Dies führt eventuell zu einer gewissen Frustration und gerade der Golf-Einsteiger und Gelegenheitsspieler kann sich sein Spiel "psychologisch" mit ein paar allgemeinen Taktik Überlegungen erheblich vereinfachen. Reduzieren Sie einfach Ihren Stress indem Sie die "richtigen" Schläger wählen und ihr Spiel ihren aktuellen Möglichkeiten anpassen.

Dies ist oft einfacher als Sie denken, denn wenn Sie sich ein persönliches, realistische (Handicap) Ziel setzen und anschließend Ihr Spiel dementsprechend anpassen, werden Sie dieses Ziel auch zügig erreichen können.

Üben mit den "richtigen" Schlägern

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass Übung nicht nur den Meister macht, sondern auch die Grundlage für Ihre Spielverbesserung ist. Je höher Ihr Handicap ist, um so weniger Schläger müssen Sie in Ihr Training einbeziehen, denn es gilt vor allem Sicherheit in die genutzen Golfschläger zu bekommen. Je weiter Sie Ihr Handicap / Spiel verspessern, desto mehr Schläger können Sie in Ihr Training und die Praxis einbeziehen.

Wie Sie weiter unten sehen werden, sollten Sie anfänglich vor allem folgende Schläge üben:

  • Putten: Sie sollten im Schnitt pro Bahn gerade mal zwei Putts benötigen. Ein paar hilfreiche Tipps finden Sie in unserem Artikel Putten - Tipps & Tricks.
  • Annäherungsschlag (Chip oder/und Pitch): Bis rund 50 Meter sollten Sie relativ zuverlässig aufs Grün spielen können, mit zunehmender Übung auch immer näher an die Fahne.
  • Fairwayschlag: Suchen Sie Ihren Schläger um einen möglichst weiten, aber vor allem zuverlässigen Schlag auf der Spielbahn machen zu können. Dies könnte am Anfang ein Eisen 6 - 8, oder auch ein Fairwayholz 5 - 7 oder ähnliches sein, später sicherlich auch ein Eisen 4 - 5 oder ein entsprechendes Hybrid.
  • Abschlag: Anfänglich können Sie den Abschlag durchaus wie einen Fairwayschlag planen, später ist es für die langen Bahnen sinnvoll einen weiten Schlag ohne hohes Risiko durchführen zu können, z.B. ein Fairwayholz 3, Hybrid 4 o.ä.
    Wichtiger als die Weite ist gerade am Anfang die Präzision, verzichten Sie lieber auf 40 Meter, wenn der Ball dafür gerade vom Abschlag fliegt. Viele Golfer spielen mit einem 3er Holz erheblich präziser als mit einem Driver und verlieren kaum Weite. Aber auch ein Eisen 5 oder 6 kann für den Weniggolfer die richtige Wahl sein. 

Besonders wichtig ist, dass Sie für die genutzten Schläger Ihre Weiten kennen und die Schläge immer sicherer ausführen können. Denn diese Information und Sicherheit brauchen Sie um Ihr Spiel ein wenig zu planen und strukturieren.

Machen Sie sich am Anfang keine Gedanken darum, dass vielleicht nur 5 von 10 Schlägen ungefähr dahin kommen wo Sie das möchten. Sie sollten erst im Laufe der Zeit diese Anzahl immer weiter steigern. Aber auch ein Handicap 18 Spieler wird einen Golfball von 10 nicht so wie geplant und gewünscht schlagen. 

Setzen Sie sich ein realistisches (Handicap) Ziel

Setzen Sie sich grundsätzlich anspruchsvolle, aber machbare Ziele. Es bringt nichts, von einer Vorgabe von 54 direkt auf Handciap 36 in einem Turnier zu wollen. Dem ein oder anderen wird dies mal gelingen, aber meist ist es besser in kleineren Schritten weiterzukommen. Und lassen Sie sich nicht von einem schlechten Tag, einem schlechten Turnier oder einen schlechten Phase runterziehen - das ist Golf. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und bejubeln auch kleine Erfolge, einen guten Schlag, einen guten Putt usw.

Wenn Sie die Zeit haben mindestens einmal die Woche zu üben bzw. Golf zu spielen, können Sie sich z.B. als Ziel setzen, innerhalb eines Jahres von einer Club Vorgabe 54 auf ein Handicap 36 oder darunter zu kommen. Planen Sie dann aber auch etwa ein Turnier pro Monat ein, also rund 5 - 6 pro (Sommer-) Saison. Ähnliches gilt, wenn Sie Ihr Handicap von 36 auf ca. 20 - 24 verbessern wollen. Unterhalb von Handicap 20 werden Sie vermutlich mehr Zeit investieren müssen um sich zu verbessern.

Geht man davon aus, dass Sie sich bei etwa 50% Ihrer Turniere verbessern, bedeutet dies Sie sollten sich oberhalb der 36 als Ziel setzen, bei jedem Turnier Ihr Handicap um 6 Schläge zu verbessern, dann sind Sie nach 3 bzw. 6 Turnieren von 54 auf 36 gekommen. Ab Handicap 36 nehmen Sie sich vielleicht 3 Schläge Verbesserung pro Turnier vor, ab Handicap 24 rund 2 Schläge und ab Handicap 18 sollten (und müssen) Sie um jeden einzelnen Schlag kämpfen.

Wie gesagt, bleiben Sie realistisch um Frustration zu vermeiden und behalten immer im Hinterkopf, dass es beim nächsten Mal auch wieder besser laufen wird. Umgekehrt schrauben Sie nach einem sensationellen Spiel aber auch nicht Ihre Erwartungshaltung an sich selbst ins Unermessliche, sondern planen gerade dann einen ganz kleinen nächsten Schritt.

Die Grundlage zum Erfolg beim Golf findet erstmal im eigenen Kopf statt.

"Zerlegen" Sie eine Golfbahn in verdauliche Einzelteile

Rahmendaten

Auf einer "idealen" Spielbahn (ideal meint ohne Verkomplizierung dank Course Rating, Bergauf und -ab usw.) benötigt ein Handicap 0 (PAR) Spieler die Anzahl der Schläge zum Einlochen die das PAR dieser Bahn vorgibt, also 3 Schläge bei einem PAR 3 bzw. 5 Schläge bei einem PAR 5.

Benötigt ein Golfer jeweils 1 Schlag mehr als PAR, ist er ein Bogey Golfer und theoretisch ein Handicap 18 Spieler. Entsprechend bei 2 Schlägen mehr ist er ein Double-Bogey Golfer bzw. hat Handicap 36. 

Auf einer 18 Loch Golfanlage gibt es üblicherweise ungefähr 4 bis 6 PAR 3 Löcher, 6 bis 10 PAR 4 Bahnen und nochmal rund 4 bis 6 PAR 5 Bahnen. Sie spielen also im Durchschnitt am meisten PAR 4 Bahnen.

Ein PAR 3 Loch ist für Herren unter 230 m lang, für Damen maximal etwa 190 m. Für Herren liegt die Entfernung bei einem PAR 4 vom Abschlag zum Loch bei ca. 230 - 430 Meter, für Damen bei rund 190 m - 370 m. PAR 5 Bahnen liegen dann oberhalb dieser Distanzen.

Weiterhin sollte ein Golfer pro Bahn im Schnitt nur 2 Putts oder weniger benötigen. Hiermit können Sie sich ansonsten Ihren Score richtig "versauen". Daher ist das von vielen nicht so geliebte Putten eines der wichtigsten Schläge beim Golf. Sollten Sie ein PAR Spieler werden wollen, bestehen rein rechnerisch die Hälfte aller Ihrer Schläge aus Putts (18x2 Putts = 36 Schläge bei einem PAR 72 Kurs).

Schlägerlängen

2 Putts bedeuten für den PAR Golfer, dass er rein rechnerisch auf einem PAR 3 nur einen Schlag vom Abschlag zum Grün brauchen darf, auf einem PAR 4 sind es 2 Schläge und auf einem PAR 5 natürlich 3 Schläge. Klingt nicht ganz einfach und ist es auch nicht, aber jetzt kommt die gute Nachricht - wenn Sie Handicap 36, oder Handicap 18 anpeilen, dürfen Sie den Golfball entsprechend 3, 4, 5 bzw. 2, 3, 4 mal vom Abschlag zum Grün schlagen.

Jetzt könnte man als nächstes einfach die Entfernung zum Loch / Grün durch die Anzahl Ihrer geplanten Fairway-Schläge teilen und schon wissen Sie welche Entfernungen Sie zuverlässig  spielen müssten. Praktisch rollen wir das Feld aber weiter von hinten auf.

Wir betrachten zuerst den letzten Schlag aufs Grün, den Annäherungsschlag. Bei welcher Entfernung, mit welchem Schläger würden Sie sich relativ sicher fühlen ? Hierbei sollten Sie in jedem Fall auch berücksichtigen, dass Sie nach dem Schlag aufs Grün eine Chance haben sollten, nur einen Putt zu brauchen - denn Unwägbarkeiten gibt es beim Golfen leider haufenweise, daher sollte jeder Spieler möglichst viele Chancen "generieren". 

Bei dieser Frage würden die Herren vermutlich bis rund 50 Meter und die Damen bis ca. 40 Meter antworten. Also ein Chip oder Pitch mit einem Wedge oder 9er Eisen. Da Sie diesen Annäherungsschlag normalerweise auf jeder Bahn haben, sind Wedges meines Erachtens eine der wichtigsten Golfschläger im Golfbag. Zum Thema Wedges gibts auch demnächst einen interessanten Blog- Eintrag.

Die nächste Frage, die nach der durchschnittlichen Weite bei einem relativ sicheren Fairwayschlag mit einem Eisen oder einen kurzen Holz (Fairwayholz mit höherer Nummer) würden die Herren unter normalen Bedingungen vermutlich mit etwa 100 - 140 Meter und die Damen mit rund 80 - 120 Meter beantworten.

Aufteilung eines Golf Lochs

Jetzt rechnen wir mal mit den o.g. durchaus typischen Durchschnittswerten:

Beispiel: PAR 3 Loch: Herren: 170m, Damen: 150m

  • 2 Putts - Distanz ca. 10m
  • 1 Annäherungsschlag: Herren ca. 50m, Damen ca. 40m
  • 1 Abschlag: verbleiben für Herren ca. 110m und für Damen ca. 100m

Sie sehen, dass hier ein Bogey für die meisten Golfer ohne Problem möglich sein sollte. Daher sind PAR 3 Bahnen für den Score von Einsteigern und Wenigspielern auch besonders wichtig. Für gute Spieler sind PAR 3 Löcher dafür etwas schwieriger, da diese im Normalfall mit dem ersten Schlag auf dem Grün oder mit dem zweiten Schlag sehr nah an der Fahne liegen müssen um eine PAR Chance zu haben und sich jeder Fehler sofort auf den Score auswirkt.

Gehen Sie bei PAR 3 Löchern kein Risiko ein, indem Sie versuchen den Ball möglichst nah ans Grün zu bekommen. Ein sicheres, gerades Spiel ist hier das A und O. Zudem sind Eisen oder kurze Hölzer mit denen sich der Spieler sicher fühlt, die beste Wahl. Vermeiden Sie Fehler und verzichten lieber auf Weite.

Beispiel: PAR 4 Loch: Herren: 350m, Damen: 310m

  • 2 Putts - Distanz ca. 10m
  • 1 Annäherungsschlag: Herren ca. 50m, Damen ca. 40m
  • 1 Fairwayschlag: Herren ca.120m, Damen ca.100m
  • 1 Abschlag (evtl. +1 Fairwayschlag): verbleiben für Herren ca. 170m und für Damen ca. 160m

Das wären 5 (evtl. 6) Schläge - Bogey (Double-Bogey)

PAR 4 Bahnen werden Sie in Ihrem Golferleben am Meisten spielen - mit 50 Meter weniger Länge sollte das Bogey bei dem Beispiel machbar sein, bei 50 Meter mehr Länge wird es für viele Golfer eher ein Double-Bogey. In unserem Beispiel sehen Sie aber auch, dass bei einem präzisen Spiel und den genannten "sicheren" Weiten mal 5 und mal 6 Schläge auf der Scorecard stehen werden.

Hier gilt es für jeden Golfer sich zu überlegen, ob der Abschlag mit etwas mehr Risiko weiter geschlagen werden sollte und dafür der Fairwayschlag kürzer ausfällt, oder ob zwei gemäßigt risikoreiche Schläge am Anfang die richtige Wahl sind. Dies hängt natürlich auch vom Terrain und der Breite der Fairways ab. Umgehen Sie bei der Wahl Ihrer Golfschläger (und Längen) möglichst die Hindernisse, manchmal ist ein weiterer Weg um das Hindernis trotzdem die bessere (weil sichere) Wahl.

Beispiel: PAR 5 Loch: Herren: 500m, Damen: 440m

Bei einem PAR 5 können Sie oft auch ein wenig Risiko gehen, da ein Schlag mehr hier meist nicht so schadet.

  • 2 Putts - Distanz ca. 10m
  • 1 Annäherungsschlag: Herren ca. 50m, Damen ca. 40m
  • 2 Fairwayschläge: Herren ca.120m, Damen ca. 100m
  • 1 Abschlag: verbleiben für Herren ca. 200m und für Damen ca. 190m
    oder 2 Schläge mit je ca. 100 Meter

Das wären 7 oder 8 Schläge, also Bogey oder Double-Bogey. Sollte die Bahn noch länger sein, ist es für den Gelegenheistspieler und Golf Anfänger sinnvoller mehr sichere Schläge einzuplanen, auch weil es wahrscheinlicher wird, dass diese Löcher ohnehin als schwerer gewertet sind und damit auch bei einem Double Bogey noch 3 Stableford-Punkte bringen.

Ist die Spielbahn hingegen kürzer und das Fairway speziell beim Abschlag relativ breit, kann es sinnvoll sein, den ersten Schlag mit einem Driver oder langen Holz und damit höherem Risiko zu spielen, um direkt einige Entfernung zurückzulegen. Und ein etwas missglückter Abschlag kann über die Länge der Bahn zumindest ein wenig wieder ausgeglichen werden.

Fazit

Bei all dieser Theorie gilt es natürlich ein stabiles, sicheres Spiel hinzubekommen und das geht nur mit Übung, Übung, Übung. Allerdings sehen Sie auch, dass ein Handicap im Bereich 18 - 36 gar nicht so schwer ist, wenn man mit wenigen Schlägern seine Länge kennt und diese einigermaßen reproduzierbar abrufen kann. Dabei kann ein Fairwayschlag von 100 bzw. 120 Meter abhängig vom Spieler ein Eisen 8, Eisen 6 oder auch ein Fairwayholz 5 sein. Das spielt letztendlich keine Rolle und hierbei sollte jeder nur auf sein eigenes Können vertrauen und nicht mit den Flightpartnern o.ä. "konkurrieren".

Zudem soll Ihnen dieser Artikel einen Denkanstoss geben, wie Sie sich mit etwas Planung bezogen auf Ihre aktuelle Leistungsklasse regelmäßig verbessern könnten. Und denken Sie daran - Golf soll in erster Linie Spaß machen, wer diesen Sport Leistungsmäßig betreiben möchte und kann muss ohnehin noch weit mehr machen als hier auch nur annäherend dargestellt werden kann. 

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